Nicht nur in Deutschland ist der Widerstand während des Zweiten Weltkriegs das große Thema. Auch die Dänen haben ihre Nationalhelden "Flammen" und "Citronen" wiederentdeckt.
Im Film Tage des Zorns führt Ole Christian Madsen Regie. Er hat bei der Serie "Rejseholdet" - Unit One - bei einigen Episoden Regie geführt ... die war klasse, die Serie! Hatte ich die hier schon mal erwähnt? Leider sind die DVDs der letzten Staffeln unverschämt teuer, so dass ich mir nur Staffel 1 und 2 angesehen habe. Damit habe ich das Beste offenbar noch gar nicht gesehen. Jedenfalls hat Regisseur Madsen bei Rejseholdet Mads Mikkelsen kennen gelernt.
Madsen scheint eine Vorliebe dafür zu haben, Mikkelsen hässlich aussehen zu lassen. Schon in Rejseholdet ist er superschmierig, aber in Tage des Zorns sieht er richtig schlecht aus.
Aber der Reihe nach.
Tage des Zorns spielt in Dänemark während des Zweiten Weltkriegs. Eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern bringt einen dänischen Kollaborateur nach dem anderen um. Schütze ist dabei meist Bent Faurschou-Hviid, der wegen seiner roten Haare "Flamme" genannt wird. Ihm zur Seite steht Jørgen Haagen Schmith, der "Citron" genannt wird, weil er die Fabrik seines Schwiegervaters, einen Citroën-Betrieb, sabotiert hatte, denn Citroën kollaborierte mit den Deutschen.
Bent ist zunächst ruch- und gewissenlos, Jørgen hat von Anfang an mehr Schwierigkeiten damit, sein Tun vor sich selbst zu rechtfertigen. Doch dann lernt Bent Ketty (angeblich eine Modeschöpferin) kennen und auch ihm kommen erste Zweifel, ob sie wirklich "die Guten" sind.
Flammen und Citronen hat es tatsächlich gegeben. Das offizielle Presseheft zum Film liefert ein paar Hintergründe.
Wer eine Kritik lesen will, in der epd Film gibt es eine gute.
Von der Ästhetik her ist Tage des Zorns sicher kein typisch dänischer Film, man fühlt sich eher wie auf Hollywood-Terrain. Aber das muss ja nicht immer etwas Schlechtes sein. Warum nicht mal große Bilder, heftige Schießereien, ein paar Special Effects? Wenn's der Sache dienlich ist ...
Der Film vergisst nie, dass es hier um 2 Menschen geht. Auch wenn Bent sich zunehmend als Held versteht (die Summe, die auf seinen Kopf ausgesetzt ist, steigt während des Films kontinuierlich an), so hören wir doch die Menschlichkeit in seiner Stimme als Off-Erzähler, sehen seine wachsenden Zweifel, fragen uns, wie er durch seine Treffen mit Ketty alles aufs Spiel setzen kann, wie ihm diese Frau so wichtig sein kann.
Wir sehen, wie Jørgen täglich den Kampf mit den eigenen Moralvorstellungen kämpft. Wie er mal verliert, dann aber doch wieder in der Lage ist, Größe zu zeigen.
Wir sehen, wie die beiden als Spielbälle der "politischen" Kräfte im Land instrumentiert werden.
Und wir sehen, wohin dieser Kampf unweigerlich führt.
All das macht Tage des Zorns zu einem richtig guten Film. Auch wenn er kein Arthouse-Film ist, kein "Schätzchen", ist er doch richtig gutes Entertainment. Mit einer packenden Story, verpackt in tollen Bildern. Kein Film, von dem man schwärmt, aber ein Film, der einen über 2 Stunden bestens unterhält.