Emma Jane Unsworth: Hungry, The Stars And Everything
Emma Jane Unsworth hat bisher Kurzgeschichten geschrieben und als Journalistin gearbeitet. Und das merkt man dem Debütroman der jungen Autorin aus Manchester auch an. Sie schreibt in einem journalistisch-flüssigen Stil, der wirklich gut funktioniert und den Leser mitnimmt in die Welt von Helen, einer jungen Restaurantkritikerin, ebenfalls aus Manchester. Die Erzählung ist episodenhaft, aber im Großen und Ganzen linear. Ich fand das Buch ein wenig "Kino im Kopf", wie eine Art Drehbuch in Prosaform.
Helens Freund Pete macht ihr an ihrem 29. Geburtstag einen Heiratsantrag. Das Problem an der Sache ist, dass seiner nicht der erste Antrag ist, den sie in ihrem Leben bekommen hat, und obwohl sie sich eigentlich ganz wohl fühlt in ihrer aktuellen Situation mit dem schönen Haus, dem liebevollen Freund und einem Papageien als Kindersatz, bringt sie dieser Heiratsantrag ziemlich aus der Fassung. Nach und nach, im Laufe eines 11-Gänge-Menüs in einem hochgelobten neuen Restaurant, über das Helen eine Kritik schreiben soll, erfahren wir, was es genau ist, das dazu geführt hat, dass Helens lang im Zaum gehaltene Emotionen plötzlich überkochen ...
Ich kann das Buch als Ferienlektüre empfehlen. Es fiel mir wirklich schwer, es während des Lesens aus der Hand zu legen. Und ich habe schon lange kein Buch mehr zu Ende gelesen ... Eine Nebenwirkung meines Berufes. Geholfen hat natürlich, dass es nur Pi mal Daumen 250 Seiten lang ist.
Ebenfalls eine "Berufskrankheit" ist natürlich, dass mir gleich diverse Fehler aufgefallen sind. Ein Satz ist doppelt, ein Ereignis findet ohne erkennbaren Grund plötzlich 2 Seiten weiter nicht mehr wie angekündigt an einem Mittwoch, sondern an einem Freitag statt ... Kleinigkeiten, die einem guten Lektor hätten auffallen sollen. Aber so weit ich das verstanden habe, ist der Verlag des Buches, Hidden Gem Press, ein Zwei-Mann-Unternehmen. Da war wohl kein Geld für einen Lektor übrig. Aber da auch der Verlag offenbar noch recht neu ist, bin ich bereit, über diese Schönheitsfehler hinwegzusehen. Es ist ein gutes Gefühl, eine neue Autorin und einen neuen Verlag zu unterstützen, finde ich.
Wer also vor den Ferien noch auf der Suche nach einer Urlaubslektüre ist, dem sei dieses "verborgene Kleinod" ans Herz gelegt. Allerdings gibt es das Buch nur auf Englisch.

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